Nachdem ich mich gestern mit Ursula über die Kettennachrichten unterhalten habe, und ich heute schon wieder ein Opfer eines derartigen Schreibens geworden bin, habe ich beschlossen doch einmal einen Post den Kettenbriefen, -Mails und -Messengernachrichten zu widmen.
In diesen nachrichten geht es aus meiner Erfahrung in den meisten Fällen darum, dass man sie weiterschickt. Macht man dies tatsächlich, und dazu noch an eine beträchtliche Anzahl an Leuten, so wird man bald die große Liebe kennenlernen. Alternativ hat man irgendwas zwischen 7 Jahren und ewig Pech. Wieviel Pech man hat, wenn man solche Nachrichten mehrfach ignoriert, ist allerdings nirgendwo festgeschrieben, ob es sich addiert (wobei dann die Frage ist, wieviel ist ewig + ewig ?) oder ob immer nur das längste zählt (welchen Sinn macht dann der Rest?) ist immernoch nur ein Teil der möglichen Interpretationsbreite.
Aber betrachten wir solche Nachrichten doch einmal wissenschaftlich:
Um das Ganze zu verdeutlichen, nehme ich jetzt einmal die Nachricht von gestern Abend als Beispiel:
Versender
> wenn dich jemand wirklich liebt oder mag,
> wird er in jeder lage helfen.
> Heute wird dir um 22.28 etwas gutes wiederfahren.
> Morgen wirst du erfahren wer dich mag oder liebt!
> unterbrichst du die kette,
> wirst du ewig pech haben!
> sende diese nachricht an 8 LIEBE MENSCHEN
Gehen wir nun davon aus, dass diese Nachricht irgendwann einmal von eienr Person geschrieben wurde, haben wir damit einen Startpunkt. Diese eine Person schickt jetzt natürlich getreu seiner Pflichten die Nachricht an 8 liebe Menschen weiter. Dadurch wissen bereits nach einem Verschicken 9 Leute davon. Aber zugegeben, dass ist noch nicht wirklich viel. Also denken wir weiter: Verschicken diese 8 Personen die Nachricht jetzt wieder weiter, kennen bereits
1 + 8 + 8*8 = 73 Personen die Nachricht. Machen wir daraus eine Liste ergibt sich:
0x verschickt: 1 Person … schickt dies an 8 Leute weiter
1x verschickt: 1 + 1*8 = 9 Personen … die 8, die die Nachricht bekommen haben schicken sie jetzt weiter
2x verschickt: 9 + 8*8 = 73 Personen … (64, die die Nachricht zum ersten Mal sehen)
3x verschickt: 73 + 64*8 = 585 Personen (512, die die Nachricht zum ersten Mal sehen)
4x verschickt: 585 + 512*8 = 4.681 Personen (4.096)
5x verschickt: 4.681 + 4.096*8 = 37.449 Personen (32.768)
6x verschickt: 37.449 + 8*32.768 = 299.593 Personen (262.144)
7x verschickt: 299.593 + 8*262.144 = 2.396.745 Personen (2.097.152)
8x verschickt: 2.396.745 + 8*2.097.152 = 19.173.961 Personen (16.777.216)
9x verschickt: 19.173.961 + 8*16.777.216 = 153.391.689 Personen (134.217.728)
10x verschickt: 153.391.689 + 8*134.217.728 = 1.227.133.513 Personen (1.073.741.824)
11x verschickt: 1.227.133.513 + 8*1.073.741.824 = 9.817.068.105 Personen (8.589.934.592)
Damit hätten wir, vorrausgesetzt, dass jeder die Nachricht an 8 Leute verschickt, bereits nach 11 mal weiterschicken ungefähr die 1,5fache Weltbevölkerung abgedeckt (Weltbevölkerung Januar 2006 geschätzt: 6,519 Milliarden Menschen, siehe Wikipedia). Da wir ja hier nicht bei der totalen Theorie bleiben wollen, gehen wir mal davon aus, dass jeder dritte aller Leute die Nachricht weiterleitet. Meiner Schätzung nach ist dieser Wert zu hoch, aber das tut nicht allzu viel zur Sache. Dadurch ändert sich die Tabelle enorm:
| Verschickt | Neue Personen | Alte Personen | Gesamt |
| 0x | 1 | 0 | 1 |
| 1x | 3 | 1 | 4 |
| 2x | 7 | 4 | 11 |
| 3x | 19 | 11 | 30 |
| 4x | 51 | 30 | 80 |
| 5x | 135 | 80 | 215 |
| 6x | 360 | 215 | 575 |
| 7x | 959 | 575 | 1.534 |
| 8x | 2.557 | 1.534 | 4.091 |
| 9x | 6.819 | 4.091 | 10.910 |
| 10x | 18.184 | 10.910 | 29.094 |
| 11x | 48.490 | 29.094 | 77.584 |
Damit hätten wir in dem Fall am Ende nur noch gerade einmal 77.000 Leute, die die Nachricht kriegen. Jetzt versuchen wir den Einfluss des Versprechens in dem Text hinzuzuziehen. In dem Beispieltext lautet der relevante Satz dabei “Morgen wirst du erfahren, wer dich wirklich liebt oder mag“. Das einem zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Gutes wiederfahren wird vernachlässigen wir, diese Aussage ist zu weit dehnbar und damit größtenteils Auslegungssache. Also soll einem am nächsten Tag jemand sagen, dass er einen mag oder liebt. Zweiteres vermutlich bevorzugt. Erster Gedanke ist vermutlich bei jedem: “Alles klar, wer so was glaubt ist selbst schuld“. Aber ist das wirklich so? Besteht nicht doch eine Chance, dass diese Aussage zutrifft?
Nun, betrachtet man das ganze aus einem anderen Sichtwinkel würde ich sagen, die Chance besteht. Schließlich wird ja danach gefragt, dass man die ganze Geschichte an 8 Personen schickt, die man lieb hat. Damit hätten wir schonmal die eine Seite geklärt, und zwar ist es damit eindeutig, dass man selber die andere Person mag. Da dies aber nicht die Bedingung ist, müssen wir jetzt noch den Umkehrschluss folgern: Wenn man jemanden mag, ist es wohl (hoffentlich) in vielen Fällen so, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Folglich schickt man diese Nachricht ebenfalls einigen Leuten, die einen mögen. Dass dabei die Chance besteht, dass unter diesen Leuten jemand ist, der einen liebt, ist wohl nicht ganz zu leugnen. Dass die Chance vermutlich recht gering ist, ist eine andere Sache.
Führt man diesen Gedankengang weiter, so kann man vielleicht doch auf die Idee kommen, dass dadurch, dass derjenige diese Nachricht erhalten hat, er/sie beschließt mit der anderen Person zu reden. Vorzugsweise am nächsten Tag. Dass das möglich ist, ist wohl sicherlich gegeben. Aber auch wohl auch entsprechend unwahrscheinlich.
Um diese Ergebnisse zusammenzufassen, nehmen wir jetzt noch Schätzungswerte hinzu: Wenn unter den Leuten, die die Nachricht geschickt erhalten, jeder 30. die Person, von der er es hat liebt, so haben wir hierfür den Faktor von 1/50. Nun muss diese Person sich noch durch die Nachricht motiviert fühlen, den anderen anzusprechen. Die Chance sehe ich noch kleiner, tippen wir mal auf 1/200. Damit würden von den insgesamt 77584 Leuten
Personen wirklich von dem versprochenen Ereignis betroffen wären.
Beeindruckend, oder? Naja, rechnen wir dies hoch, auf die Anzahl der Leute, die die Nachricht bis zu diesem Zeitpunkt erhalten haben hätten können, so ergibt sich, dass gerade einmal
, also
aller möglichen Empfänger betroffen sind. In einer Zahl ausgedrückt, sind das:
0,000000079%, also jede
12.653.470te Person.
In anbetracht dieser Zahlen, stellt sich doch immernoch die Frage, wieso es so viele Leute gibt, die nicht darauf verzichten können derartige Nachrichten weiter zu schicken. Besonders, wenn man bedenkt, wieviel pech man dabei den Leuten bringt, die die Nachricht nicht weiter schicken!
Dass bei solchen Botschaften hin und wieder auch sehr nette Sachen herauskommen, ist an dem heutigen Beispiel zu sehen, dass es eindeutig verdient als schlechteste Kettennachricht, die ich jemals bekommen habe, abgestempelt zu werden:
ICQ Kontakt 278000950
> 14:20:19 Astrodan: und wer bist du?
> 14:20:45 Astrodan: Ich bin essen, du sagst mir in der Zeit ob ich dich kenne ![]()
> 14:20:57 278000950: jo
> 14:25:20 278000950: hallo ich bi jenna ich bin 7 jahre alt und tot. wenn du diese mail nicht in zehn minuten an 15 personen schickstdann stehe ich heute abend an deinem bett mit einem messer und dann will ich dich töten… wenn duallen 15 leuten das schickst dann ruft dich einer an und sagt das er dich liebt. du a´darfst die mail nicht zurück schicken
Schließlich möchte ich noch alle Leute warnen, die diesen Eintrag gelesen haben: Wer den Link zu diesem Beitrag nicht innerhalb von genau 13 Stunden an mindestens 7 Leute weiterschickt, wird ewig darunter Leiden müssen! Derjenige jedoch, der ihn weiterschickt, wird während seines gesamten Lebens nicht sterben!
Nachtrag: Dank Susie muss ich noch einen kleinen Nachtrag machen: Bei der ganzen Berechnung muss noch zusätzlich bedacht werden, dass sehr viele Personen die Mail mehrfach erhalten. Dadurch fällt nochmal ein Faktor zwischen 1/2 bis 1/4 an, so dass die Chance, dass man zu den auserwählten Personen gehört sogar noch weiter fällt. Sollte uns das nicht zu denken geben?
Ich möchte zwar behaupten, selbst daran gedacht zu haben, aber ohne Susie ständ das jetzt hier nicht. Also nochmals ganz dickes danke an sie!
***
Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe (Winston Churchill zugeschrieben, sehr fragwürdig)




, also
6 Reaktionen zu “Der Sinn und Unsinn von Kettennachrichten”
Yota
Kommentar verfasst am 15. Mai 2006 um 20:16 Uhr
Kettenmails…mh… werden normalerweise ignoriert von mir… normalerweise… ein oder zweimal hab ich sie weitergeleitet… hat nicht viel gebracht
ich denke mal, nach dem ignorieren solcher mails müsste mein Pechvorrat eigentlich für die nchsten 7 Leben reichen. Aber ich glaub nicht dran
zu dieser wirklich miesen Kettenmail: dafür, das diese mädchen tot ist kann es aber noch äußerst gut (*hust*) schreiben und verfügt noch über das Hungergefühl… Faszinierend
hätte es bisher immer geklappt, wieviele Beziehungen hätte ich dann? Auf der anderen Seite kann man die Mails des Typs “Morgen wirst du erfahren wer dich mag oder liebt!” als subtilen Widerstand gegen Partnersuchseiten bzw anzeigen in Zeitschriften sehen. Wenn alles so einfach wäre, müsste so ziemlich jeder auf diesem Planeten in einer Beziehung sein. is aber nicht so. daher würde ich timms rechnung schon fast vertrauen – fast, wie schon gesagt, trau keiner statistik…
und timm – ich werde diesen Link nicht weiterleiten, da ich die Vorzüge eines sterblichen Lebens bevorzuge. Unsterblichkeit ist aus der Mode gekommen….
Lotte
Kommentar verfasst am 15. Mai 2006 um 20:46 Uhr
Ich lieeeeebe dcih für diesen Eintrag!!! Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt beim lesen eines Eintrages!!! Vor allem weil mich Kettenmails sowieso total nerven, weil man die meistens gleich von mehreren Leuten bekommt. Heißt das dann das man sie auch an soviele Menschen wie vorgegeben, multipliziert mit der Anzahl der Menschen die einem die Mail geschickt haben , schicken muss??Tät mich mal interessieren…
PS:Ich bin zwar auch nicht hinter unsterblichkeit her, aber auf diesen Eintrag muss ich unbedingt aufmerksam machen, der gehört an die breite öffentlichkeit..
Yota
Kommentar verfasst am 15. Mai 2006 um 20:51 Uhr
hi charlie…
sieht…äh… liest man sich auch mal wieder ^^
wie gehts wie stehts?
noch was zu timms artikel: is ganz nett, wenn auch leicht verwirrend (für otto normal denker)
Alex
Kommentar verfasst am 15. Mai 2006 um 21:51 Uhr
Charlotte, ich wusste es, dass wenn du was lustig findest es wirklich gut sein muss…*lach*
Der Artikel ist imho gut, und so verwirrend ist das ganze gar nicht mal, obgleich ich in Wahrscheinlichkeitsrechnung sehr, sehr… uninformiert bin, da sich bisher alle Lehrer geweigert haben, das mit uns durchzunehmen. (Alles nur Herr Severins Schuld!
)
Soviel dazu, und deswegen, Timm, musst du mir gleich noch was erklären, was ich nicht verstehe.
Und, ähm, Lotte, Yota? Ich muss euch leider enttäuschen, aber ich fürchte, dass ihr genaugenommen während eures gesamten Lebens nicht sterben werdet, selbst wenn ihr den Link nicht weiterleitet.
JN
Kommentar verfasst am 16. Mai 2006 um 00:12 Uhr
Jaja, das war in der Tat ziemlich geschickt formuliert, denn ich werde egal ob ich den Link weiterleit oder nicht auch während meines gesamten Lebens garantiert nicht sterben und das kann ich vorhersagen ganz ohne Kettenbrief…
@Alex (und nebenbei auch Timm)
mit uns hat Herr Severin auch nie Wahrscheinlichkeitsrechnung gemacht(soweit ich ihn hatte zumindest)
Und das Zitat kenne ich nur von Winston Churchill..
Warlord
Kommentar verfasst am 21. Mai 2006 um 21:49 Uhr
du hast nur eine wichtige tatsache nicht bedacht: es ist sehr wahrscheinlich, das diese kettennachricht eine person mehrmals erreicht, die sich viele personen untereinander in einem relativ geschlossenen kreis kennen. wenn A die nachricht an B schickt, B an C ist die wahrscheinlichkeit recht groß, das C sie wieder an A schickt (oder D oder sonstwer).