Eine Frage, die sich vermutlich seit der Erfindung von ICQ immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die Frage “Wie geht es dir?”.
Einen nicht unwesentlichen Grund der Verbreitung dieser Frage sehe ich durchaus in dem Punkt, dass es nunmal nach dem obligatorischen “Hi”, “Hey”, “Moin” oder “Duuuuuuuu?” ein durchaus praktikabler Ansatz ist, das Gespräch weiter zu führen, ohne in die Verlegenheit zu kommen direkt den Punkt ansprechen zu müssen, der für das Anschreiben der Person an und für sich relevant ist.
Statt dessen simuliert man halt noch zwei oder drei Zeilen mehr oder weniger echtes Interesse, um dann schließlich so nebenbei (“ach, was mir noch so [ganz am Rande, jetzt wo ich deinen Namen hier sehe] eingefallen ist [echt, ist mir grad spontan in den Sinn gekommen. Der Eintrag im Kalender ist auch noch ganz frisch]..”) auf das Thema zu kommen.
Um das Ganze ein wenig zu verdeutlichen, hier ein kleines Beispiel:
[13:37:00] Sender: Hey
[13:37:13] Empfänger: ho
[13:37:15] Sender: Wie geht es dir?*
[13:37:20] Empfänger: Okey soweit.**
[13:39:33] Empfänger: Und selbst?
[13:40:12] Sender: Auch okey.
[13:40:15] Empfänger: Aha.***
[13:45:21] Sender: Du, was mir grad eingefallen ist…
[13:45:39] Empfänger: Ja?
[13:46:07] Sender: Wann war nochmal die Klausur über Alzheimer?
[13:46:51] Empfänger: kAv
[13:46:55] Empfänger: weiß nit, steht das nicht auf der Homepage?
[13:47:22] Sender: kA, hab noch nicht geguckt
[13:47:25] Empfänger: k
[19:12:13] Empfänger: Ich bin mal was essenvi
[19:17:33] Sender: k
[19:17:35] Sender: guhu
[19:17:40] Sender: Ich auch
[...]***
* hier sieht man an der Zeitangabe schon deutlich, dass diese Frage bereits vorher schon feststand und nur noch abgesandt werden musste
** Okey ist eine durchaus sozialverträgliche Antwort, die so ziemlich alles bedeuten kann von A wie “Affengeil” bis Z wie “zum kotzen seit du mich angeschrieben hast”
*** Es ist ein ungeschriebenes Gesetzt, dass alle belangloseniv ICQ-Gespräche sich im Laufe der Zeit immer weiter dem “Aha” nähern. Ein Gespräch ohne “Aha” darf als nicht abgeschlossen betrachtet werden.
(iv) belanglos: anderes Wort für “ICQ-Gespräch”
(v) Ein “kA” und/oder ein “weiß nit” sind eindeutige Zeichen, dass als nächstes eine Antwort auf die Frage kommt. Das wichtigste ist erstmal nur, dem Gegenüber kundt zu tun, dass man sich mit der Frage beschäftigt hat und zu keinem Schluss gekommen ist, bevor man nicht drüber nachgedacht hat.
(vi) wichtig ist auch dem Anderen immer mitzuteilen, was man gerade tut. Er könnte noch auf eine Antwort warten
Nun mag es zugegebener Weise hin und wieder auch mal zutreffen, dass ein “wie geht es dir?” durchaus aus ernstem Interesse geschrieben wird. Es empfiehlt sich eventuell dies nebenbei anzumerken (Orginalzitat):
[...]
[23:29:49] Gegenüber: und wie gehts dir?
[23:30:14] Gegenüber: (man kann die frage auch echt stellen)
[...]
Der Grund warum ich das schreibe? Das ist simpel und kurz zusammengefasst:
Das Faszinierende nämlich, was ich heute feststellen durfte, und was einer Beobachtung der letzten Zeit entspricht, ist, dass Personen generell dazu tendieren einem diese Frage zu stellen, wenn man gerade in ganz brauchbarer Stimmung ist (jedenfalls gut genug, um mit “okey” zu antworten), aber nie, wenn man am liebsten beim aus dem Fenster springen sich die Haare anzündet, während das Gift zu wirken beginnt und man somit das Messer, dass sich beim Aufschlag auf den Boden durch einen bohrt kaum noch merkt.*
Die Frage, die es jetz noch zu klären gilt ist: Wie geht es dir, werter Leser?
***
* leicht übertriebene Darstellung aus rethorischen Zwecken für sinnvoll befunden und angewandt
2 Reaktionen zu “Murphys Timing”
Alex
Kommentar verfasst am 12. Juni 2008 um 01:22 Uhr
… dann befindet man sich höchstwahrscheinlich am Beginn einer ICQ-Unterhaltung
. Nein, mal im Ernst: Wenn du mit deinen Nerven gerade auf dem Weg gen Erdmittelpunkt bist, dann hast du auch keine große Lust, auf ICQ-Nachrichten zu antworten.
10+3=13, yay!
mindsskype
Kommentar verfasst am 12. Juni 2008 um 15:36 Uhr
Ich denke es ist gut, dass das Essen erfunden wurde.
1. weil man seitdem auch einen recht plausiblen Grund hat den Computer zu verlassen um sich den wirklich wichtigen Dingen zuzuwenden. ( ->siehe das Beispiel mit dem *)
und
2. weil das Diskussionsrepertoire von den standart Wendungen wie:
ah, oh, o.O, äh, den beliebten drei . und hmm auch noch um das wunderbare “mhmmmm” ergänzt werden konnte, was anscheinend hohen Genuss beim Verzehren des Essens andeutet.
Ähnliche Abhandlungen wie die dort oben befinden sich übrigens seit 5 Jahren in meinem Tagebuch. Du bist mit deinen Überlegungen also spät dran Astro! Hast du mal drauf geachtet, wie sich alte Menschen auf der Straße per se begrüßen? Ich sags dir:
A: Wie gehts dir? (leichtes Heben der Hand und kurzes Winken)
B: Joa, muss ne? Bis dann mal! (lautere Stimme um von der Ratlosigkeit abzulenken, zusätzlich ein ausschweifenderes Winken mit der Hand)
Im folgenden sind A und B einfach mal an ein ander vorbeigelaufen gewesen sein^^